|
Leben Dinge? ![]() Jemanden lieben heisst als Einziger ein Wunder zu begreifen das für alle Anderen unsichtbar bleibt ![]() Die Kombination der Worte "Leben" und "Dinge" mag dem einen oder anderen sicherlich recht merkwürdig vorkommen, für einen Objektliebhaber ist dies jedoch von grundlegender Bedeutung, da häufig das geliebte Objekt als personelles Gegenüber empfunden wird. Für mich persönlich gibt es keine toten Gegenstände, alles auf dieser Welt besitzt in gewisser Weise Lebendigkeit, die ihm innewohnt. Natürlich ist dies nicht mit dem zu vergleichen, was man unter Leben bei Mensch, Tier oder Pflanze versteht, ich denke vielmehr, dass jenes Leben auf einer anderen Ebene stattfindet. Ich sehe neben meinen eigenen Empfindungen vor allem einerseits den Animismus als eine Weltanschauung, die ebenso Dingen eine Seele zuschreibt und andererseits die Tatsache, dass es sehr unterschiedliche Definitionen von Leben gibt, als wesentliche Anhaltspunkte einer solchen Lebendigkeit von Dingen an. Nicht alles im Leben und in der Liebe muss man mit wissenschaftlichen Erkenntnissen erklären, ein wenig Magie sollte ebenfalls ihren Platz finden, weil Liebe etwas ist, was einen sprichwörtlich verzaubert. Ich empfand im Gegensatz zu vielen anderen Menschen Dinge schon immer als etwas Lebendiges, was mitunter ein Eigenleben entwickeln kann. Nun mögen die meisten sich noch am ehesten vorstellen können und aus eigenen Erfahrungen wissen, dass beispielsweise manch ein Computer ein ziemlicher Sturkopf sein kann und nicht immer das tut, was der Nutzer gern möchte. Was für den einen Zickenhaftigkeit ist, mag für den anderen ein Zeichen für Eigenständigkeit sein. Oder als ein weiteres Beispiel wird sicher die Funktion einer Maschine ganz anschaulich sein, denn Maschinen vereinen in bestimmter Hinsicht deutlich spürbare (Motoren)Kraft und Bewegungsabläufe, wovon für den einen oder anderen ein gewisser Charme ausgeht. Sich bewegende oder mit Power bestückte Dinge erfreuen sich schon auffällig grosser Beliebtheit unter Objektophilen. Nun ja, ein Gebäude hat auf den ersten Blick für die meisten kaum die eben genannten Attribute an sich. Aber auf den zweiten Blick, der dann etwas genauer ausfällt, folgt die Erkenntnis, dass in einem Gebäude einige technische Einrichtungen vorzufinden sind. Man denke an Aufzüge und Klimatechnik, an Strom-Gas-Wasser-Ver- und Entsorgung, eventuell vorhandene Antennen- und Funkanlagen. All diese Einrichtungen machen das (Innen)Leben eines Gebäudes aus, vergleichbar mit den inneren Organen eines herkömmlichen Lebewesens. Es lassen sich durchaus Parallelen ziehen. Bei mir spielt allerdings in erster Linie die Ästhetik der äusseren Erscheinung eine bedeutende Rolle und nicht unbedingt die Einzelheiten interner Vorgänge. Ich sehe Dinge, speziell natürlich diejenigen, die ich liebe, in ihrer Gesamtheit als wesentlich mehr an als nur die Summe ihrer Bestandteile. Diese letztliche gesamte Einheit empfinde ich als zum Teil sehr lebendig und beseelt. Beweisen lässt es sich nicht, denn es hängt vor allem vom eigenem Gefühl und der eigenen Wahrnehmung ab, ich halte es da mit dem Spruch: "Das Fehlen eines Beweises für Etwas ist noch lange kein Beweis für das Fehlen der Sache selbst". Ich könnte mich nicht von etwas angezogen fühlen, für etwas Gefühle der Zuneigung und Liebe entwickeln, wenn ich es als totes Ding empfinden würde, da bei mir dem Gefühl der geistigen Gegenseitigkeit eine nicht unerhebliche Relevanz zukommt. Zwangsläufig stellt sich nun die Frage, wieso ich dann trotz der Zerstörung meiner geliebten Zwillingstürme weiterhin die Liebesgefühle beibehalten habe, so dass diese Liebe fort besteht. Die Antwort ist im Grunde ganz simpel und zugleich genial. Für mich heisst das Ende der körperlichen Existenz nicht gezwungenermassen, dass auch die seelische Existenz ausgelöscht worden ist. Ihre Seelen könn(t)en immerhin in allen auf der Welt existierenden Modellen weiterleben, denn ohne das Original hätte es niemals Modelle von ihnen geben können. Auf diese Weise wird noch für lange Zeit ihr Andenken und ihr Geist erhalten bleiben. Ebenso empfinde ich das Denkmal, welches für Sie an ihrem Standort in ihren Fussstapfen entsteht, als einen bedeutsamen Ort ihres Fortbestehens, allerdings in einer völlig anderen Existenzform. Das gleiche Phänomen findet sich ebenfalls im zwischenmenschlichen Bereich, wenn ein sehr geliebter Partner stirbt, so gibt es bisweilen Menschen, die aussagen, für sie wäre es, als würde der geliebte Mensch in bestimmten Bildern oder anderen Erinnerungsstücken weiterleben. Was ich lebe, ist eine Liebe, die weit über den körperlichen Tod hinaus reicht, sich also gefühlsmässig vielmehr auf seelischer Ebene abspielt, was nicht heisst, dass körperliches nicht auch wichtig wäre. Wenn ich mit meinen Modellen zärtlich schmuse oder von meinen Lieblingen träume, gibt mir dies sowohl psychisch als auch physisch ein wunderschönes intensives Gefühl, das wesentlich stärker ist als bei allen vorherigen Lieben. Ich sehe es dann immer so, als würden sie mir direkt von der Wolke, auf welcher sie im Himmel ruhen, diese Gefühle herunter schicken bzw. umgekehrt denke ich, dass mir meine Modelle helfen, ihnen meine Gefühle zu schicken. Des weiteren gibt es bei uns und den Berührungen Lieblingsstellen, wo es sich besonders angenehm anfühlt. Dies sind zum einen die hübschen schrägen Ecken und zum anderen ihre glatten Dächer bzw. die zierliche Dachantenne des einen Turms. Es ist einfach schön, bei solch "knackigen Kerlchen" filigrane Stellen unter den Fingern spüren zu können. Ohne diese lebhafte Gegenseitigkeit auf geistiger Ebene würde eine Liebe nicht funktionieren. Zwar kann ein Objekt keine Liebe und Zärtlichkeit in der menschlich gewohnten Form zurück geben, aber dafür können einem doch die Lieblinge so viele andere schöne Gefühle schenken. Die Welt der Objektophilie ist in jeder Hinsicht eine sehr lebendige Welt. |