Fragen und Antworten zur Objektophilie


Da bestimmte Fragen bezüglich Objektophilie/Objektsexualität recht häufig auftauchen, habe ich auf dieser Seite die wichtigsten Fragen und die dazu gehörenden Antworten zusammen gestellt.



Ein Gegenstand kann keine Zärtlichkeiten geben, kann nicht zurück lieben, wo bleibt da die Gegenliebe?

Liebe ist kein Tauschgeschäft! Man muss nicht einen Zentimeter Liebe bekommen, wenn man einen Zentimeter Liebe gibt. So ist es also von grosser Bedeutung, selbst lieben zu können, ohne dafür eine Gegenleistung zu verlangen, denn zur Liebe gehört auch, dass man bereit zum geben ist, ohne dafür selbst nehmen zu wollen. Selbst wenn man von einem Gegenstand keine Zärtlichkeit zurück bekommt, bekommt man doch so vieles anderes von ihm, nämlich Halt und Trost, weil er immer für einen da ist und zudem das unglaubliche Glücksgefühl, welches man empfindet, wenn man bei ihm sein kann oder auch, wenn man in Abwesenheit an ihn denkt.



Fühlt man sich aufgrund schlechter Erfahrungen mit Menschen zu Gegenständen hingezogen?

Das kann dazu beitragen, ist aber nicht auslösendes Moment. Die Veranlagung zur Objektophilie muss vorhanden sein, sonst kann sie nicht zum Tragen kommen. Man kann dies wohl eher als einen der Hauptgründe ausschliessen, wenn man dabei bedenkt, dass es unzählige Menschen gibt, die in ihrer Kindheit oder generell im Laufe ihres Lebens sehr schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht haben, und dass, wenn dies die Ursache dafür wäre, wohl ein recht grosser Teil der Menschheit objektsexüll sein müsste, was jedoch eindeutig nicht der Fall ist. Es gibt mit Sicherheit viele äussere Faktoren, sicherlich auch die genetische Veranlagung, die einen Einfluss darauf haben.



Aus welchen Gründen kann es bei einem Objektliebenden zu Eifersucht kommen?

Gefühle der Eifersucht werden immer dann entstehen, wenn jemand anderes näher an dem Objekt dran ist, also einen besseren Zugang zu ihm hat, als man selbst. Also wenn man sich beispielsweise am Arbeitsplatz (Werkstatt, Büro o.ä.) in eine der dortigen Maschinen bzw. Geräte verliebt, an denen man nicht selbst, sondern ein Kollege arbeitet. Ebenso kann man eifersüchtig werden, wenn das Objekt, welches man liebt, etwas öffentlich zugängliches, wie eine Maschine in einem Museum oder ein Gebäude ist, womit andere Menschen täglichen Umgang haben, während man selbst kaum eine Chance aufs Alleinsein und Privatsphäre mit seinem Liebling hat.



Dient der Gegenstand als Ersatz für einen menschlichen Partner?

Das Objekt wird vom Liebenden nicht einfach nur als ein Ding wahrgenommen, es wird vielmehr als etwas individülles betrachtet, was seine eigene Identität mit allen dazu gehörenden Stärken und Schwächen besitzt, welche letztlich die Persönlichkeit des Objekts ausmachen. Da man nun also einen Gegenstand aufgrund seiner Eigenschaften, seiner äusseren Erscheinung usw. liebt, kann man hierbei nicht von einer Ersatzfunktion sprechen, da ein geliebter Gegenstand etwas völlig anderes darstellt und zudem etwas ganz anderes ist als ein Mensch. Ebensowenig geht es um das Vermenschlichen von Gegenständen. Gegenstände können und sollen keine Menschen ersetzen, sondern stehen für sich allein.



Wenn man seinen Computer liebt und auf der Arbeit ebenfalls am PC arbeitet, ist das dann Fremdgehen?

Nein, zumindest nicht, solange man den PC auf der Arbeit nur für Arbeitszwecke verwenden und für ihn keine persönlichen Gefühle empfinden würde. Das ist in etwa damit vergleichbar, dass man, wenn man mit einem menschlichen Partner zusammen ist, ja auch mit vielen anderen Menschen in Kontakt kommt, mit anderen Leuten redet, ohne, dass dies im Entferntesten mit Fremdgehen zu tun hätte. Es kommt also auf die Art des Umgangs an, den man sozusagen mit den Artgenossen seines geliebten Gegenstandes hegt. Fremdgehen wäre es hingegen, wenn man beispielsweise auch den PC im Büro mit Zärtlichkeiten bedenkt, obwohl man seinen Heim-PC liebt.



Kann man auch mehrere Lieben/Partner zugleich haben?

Das ist von Mensch zu Mensch verschieden, es gibt Objektophile, die immer nur jeweils einen Gegenstand haben, dem ihre Liebe zuteil wird, auf den sie sich mit ihren Gefühlen voll und ganz konzentrieren. Und dann gibt es auch Objektophile, die durchaus mehrere Schätzchen zugleich haben können, wobei allen gegenüber die gleichen Empfindungen zum tragen kommen. Aber selbst, wenn man ein einziges Objekt als Partner hat, kann es zwischenzeitlich kleine Nebenlieben zu bzw. Flirts oder Affären mit anderen Gegenständen geben, weil man auch noch etwas anderes "ganz nett" findet, dies aber nicht soweit geht, dass man deshalb seine aktülle Liebe aufgeben möchte.



Haben Objektophile besondere Empfindungen gegenüber dem Konstrukteur/Architekten (o.ä.) eines Objektes?

Ich mache mir selten Gedanken darum, dennoch bin ich ihnen sehr dankbar und habe einen grossen Respekt vor dem Architekten, den Ingenieuren und allen anderen, die an der Entstehung der Türme mitgewirkt haben, immerhin hätte es sie ohne diese vielen Beteiligten nie gegeben. Das gilt im gewissen Mass letztlich für alle Objekte und deren Liebhaber, jedoch individüll unterschiedlich stark ausgeprägt, da sie nur durch den Menschen und sein Ideenreichtum bzw. seine Arbeit entstehen können. Allerdings kann ich mir persönlich nicht vorstellen, zu den Erschaffern eines geliebten Objektes ein Empfinden in jener Art zu entwickeln, wie man es vielleicht zu den Eltern eines menschlichen Partners hätte.



Wie gehen Verwandte/Bekannte damit um, dass man mit einem Gegenstand in einer Beziehung lebt?

Auch das kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt sowohl Objektsexülle, deren Verwandtschaft und Freunde dies sehr positiv aufgenommen haben, deren Neigung vollstens akzeptiert und toleriert wird, es gibt aber auch Menschen, die mit ihrer Verwandtschaft diesbezüglich etwas weniger gesegnet sind und daher nicht unbedingt auf Verständnis und Toleranz treffen. Ich gehöre glücklicherweise zu den Erstgenannten, die positive Erfahrungen mit ihren Mitbürgern gemacht haben, wobei natürlich zu beachten ist, dass man dies nicht gleich jedem erzählt. Welche Reaktionen man erhält, kommt also ganz darauf an, ob die Menschen um einen herum weitestgehend aufgeschlossen oder eher voreingenommen sind.



Was passiert mit einem Gegenstand, wenn man ihn nicht mehr liebt?

An dieser Stelle kann ich keine allgemeine Antwort geben, da dies im Einzelfall und abhängig von der Person und vom betroffenen Gegenstand wirklich sehr verschieden sein kann. Bei mir persönlich war es immer so gewesen, dass wenn eine Liebe an Intensität verlor, dann stets eine Art freundschaftliches Gefühl daraus wurde. Aber es gibt auch Menschen, für die das Ende einer Liebe eine komplette Trennung bedeutet, wo man sich räumlich nicht mehr nahe sein möchte. Aber egal wie, man hält seine ehemaligen Lieben in jedem Fall gedanklich in Ehren, haben sie einen doch ein mehr oder weniger langes Stück des Lebensweges begleitet.



Wenn ein Gegenstand kaputt geht, ist das vergleichbar damit, dass ein menschlicher Partner stirbt?

Ja, das kann man auf der Gefühlslebene durchaus miteinander vergleichen, denn sowohl der Tod eines geliebten Menschen als auch das Existenzende eine geliebten Gegenstandes stellen für den Liebenden einen grossen Verlust dar, der entsprechend Kummer, Leid und Trauer nach sich zieht, wobei allerdings auch die Umstände von Bedeutung sind. So wird es leichter fallen, einen Verlust zu verkraften, wenn der Gegenstand wegen Verschleiss nicht mehr nutzbar ist, so wie Menschen durch Krankheiten oder Altersschwäche sterben, als wenn man mit einem ganz plötzlichen Ende konfrontiert wird. Besonders schlimm ist es, wenn das Objekt durch die Einwirkung anderer Menschen zerstört wird, dies käme einem Mord gleich.



Zählen rein seelische Beziehungen zu Gegenständen ebenfalls zur Objektophilie?

Es geht gewiss nicht darum, Menschen abhängig davon in Schubladen einzuordnen, ob ihre Liebe zu einem Objekt körperlich und emotional oder rein seelisch ist, da das wichtigste die Liebe ansich ist und nicht etwa, wie sie individüll gelebt wird. Sicherlich muss bei emotionalen Beziehungen etwas abgegrenzt werden, da nicht alles Objektophilie ist. So ist es beispielsweise ein Unterschied, ob jemand einen Gegenstand als eigenständiges Wesen liebt, zu ihm eine enge seelische Bindung hat - denn das macht diese Empfindensweise als solche aus - oder ob jemand ein Objekt ausschliesslich aufgrund seines Erinnerungswertes oder seiner Statussymbolik "liebt". Wichtig ist nicht, wie man im einzelnen liebt, wichtig ist, dass man etwas als Indiviuum liebt.



Haben Objektophile auch Beziehungen zu anderen Menschen oder lieben sie nur Gegenstände?

Es gibt sowohl Objektsexuelle, die sich alleinig zu Gegenständen hingezogen fühlen als auch Objektophile, die neben ihrer Liebe zu einem Gegenstand zwischenmenschliche Beziehungen hegen und auch Sexualität ausleben, hier gibt es eine grosse Grauzone mit mehr oder weniger Tendenzen in die eine oder andere Richtung. Dies kann man am ehesten mit all den bisexüllen Facetten vergleichen, welche zwischen der Heterosexualität und der Homosexualität beim Menschen anzutreffen sind. So wie es also Leute gibt, die nur Objekte lieben und welche, die ausschliesslich menschliche Partner haben, gibt es ebenso Leute, die sich in vielerlei Hinsicht von Menschen und Gegenständen angezogen fühlen.



Speziell zum 11.9.; Gibt es Mitgefühl für die Menschen, die bei der Zerstörung der Türme ihr Leben verloren haben?

Obwohl mir aus meinen persönlichen Gefühlen heraus der Verlust der Türme selbst am meisten schmerzt, heisst dies noch lange nicht, dass ich nicht auch Mitgefühl mit all den menschlichen Opfern und deren Angehörige habe. Mit ihnen fühle ich genauso mit, denn so wie sie einen geliebten Menschen verloren haben, habe ich ein geliebtes "Objekt" verloren. Da die durch den Verlust hervor gerufenen Gefühle sich in vielen Punkten sehr ähnlich sind, kann ich ebenso im gewissen Ausmass Anteil an den menschlichen Schicksalen nehmen, wobei es sicherlich immer ein bisschen schwierig ist, mit Personen zu fühlen, die man nicht persönlich kennt. Zwar berührt es mich, jedoch nicht so, wie es ein persönlicher Verlust täte.



Werden die Türme aufgrund ihrer Phallussymbolik geliebt?

Obwohl der Mensch gern phallische Vergleiche zu ziehen pflegt, wenn etwas länger/höher als breit ist, fehlt mir in diesem Punkt die Nachvollziehbarkeit, weil mich nichts an menschlicher Anatomie reizt und ich somit keine Grundlage habe, derartige Vergleiche anzustellen. Ich liebe diese Gebäude als das, was sie im Einzelfall sind, ohne nach eventuellen Parallelen zu menschlichen Formen zu suchen. Ich fühle mich von völlig anderen Merkmalen angezogen, wie beispielsweise von glatten Flächen, Glas, Metall und einer eckigen Grundform, wobei die Twintowers genau all dies in sich vereinen und weshalb ich sie als anziehend empfinde. Ich liebe sie als das, was sie sind und nicht als das, womit man sie vergleichen könnte.

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